ADHS verstehen – Kind, Familie und Nervensystem im Blick
ADHS ist mehr als ein Aufmerksamkeitsproblem.
Und es ist selten nur „das Kind“.
Viele Eltern suchen Hilfe, weil sie erleben:
- starke Impulsivität
- starke Emotionalität
- Wutanfälle oder emotionale Ausbrüche
- Konzentrationsschwierigkeiten
- extreme Unruhe
- Schulprobleme oder Probleme in der Kita
- Konflikte im Familienalltag
- Erschöpfung auf allen Seiten
Oft steht die Frage im Raum: „Was stimmt nicht mit meinem Kind?“
Oder: „Was machen wir falsch?“
Diese Fragen sind verständlich. Und sie greifen meist zu kurz.
ADHS aus systemischer Sicht
Kein Kind entwickelt sich im luftleeren Raum.
ADHS zeigt sich immer im Zusammenspiel von:
- Temperament
- Bindungserfahrungen
- Stressbelastung
- familiären Dynamiken
- schulischem Umfeld
- gesellschaftlichen Anforderungen
- der eigenen Individualität
Systemisch betrachtet geht es nicht darum, ein „Problemkind“ zu korrigieren.
Es geht darum, Zusammenhänge sichtbar zu machen und einzelne Bausteine zu verändern.
Was verstärkt Symptome?
Was stabilisiert?
Wo entsteht Druck?
Wo fehlt Regulation?
ADHS und das Nervensystem
Aus nervensystemorientierter Perspektive ist ADHS häufig mit einer erhöhten Stress- und Reizoffenheit verbunden.
Viele Kinder mit ADHS erleben:
- schnelle Übererregung
- geringe Frustrationstoleranz
- starke Reaktionen auf Reize
- Schwierigkeiten in der Selbstregulation
Was von außen wie Trotz oder Ungehorsam wirkt, ist oft ein überlastetes Nervensystem.
Das bedeutet nicht, dass Grenzen unwichtig sind.
Aber es verändert den Blick.
Statt „Warum macht mein Kind das?“ entsteht die Frage: „Was braucht sein Nervensystem gerade?“
Meine Haltung zu ADHS
Ich verstehe ADHS nicht als Defekt oder moralisches Problem.
Ich verstehe es als eine besondere Art, wie ein Nervensystem auf Reize reagiert und sich reguliert.
Manche Kinder sind wacher, schneller, intensiver, empfindsamer.
Sie nehmen mehr wahr, reagieren schneller, fühlen stärker.
Es gibt genetische Faktoren. Doch Gene sind keine festgeschriebenen Programme.
Erfahrungen, Beziehungsklima, Stressbelastung und transgenerationale Muster beeinflussen, wie Anlagen zur Entfaltung kommen.
Viele Kinder mit ADHS bringen besondere Stärken mit: Kreativität, schnelle Verarbeitung, hohe Intensität, ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden.
Das Problem ist oft nicht die Intensität – sondern eine fehlende Regulationsbegleitung.
ADHS ist eine Regulationsbesonderheit des Nervensystems.
Beziehung, genauer gesagt Bindung, Regulation und das Erlernen von Regulation und der Umgang mit Impulsen sind die wirksamste Intervention.
Meine Haltung ist geprägt von neurobiologischen und traumainformierten Perspektiven – unter anderem inspiriert durch Arbeiten von Gerald Hüther und Gabor Maté. Dabei geht es mir nicht um Ideologie, sondern um ein verstehendes, differenziertes und beziehungsorientiertes Arbeiten.
Trauma und ADHS – ein differenzierter Blick
Manche Symptome, die als ADHS beschrieben werden, können durch chronischen Stress oder traumabezogene Alarmzustände verstärkt werden.
In der Praxis ist es selten entweder-oder: Häufig trifft ein sensibles Nervensystem auf hohe Belastung. Darum arbeite ich traumasensibel – nicht um alles als Trauma zu deuten, sondern um genau hinzuschauen und echte Entlastung durch Veränderung möglich zu machen.
Familienbegleitung bei ADHS
Wenn ein Kind mit ADHS lebt, betrifft das die ganze Familie.
Eltern erleben häufig:
- Erschöpfung
- Schuldgefühle
- Konflikte in der Partnerschaft
- ständige Rechtfertigung gegenüber Schule oder Umfeld
- das Gefühl, zu versagen
In der Begleitung geht es darum,
- dein Kind besser zu verstehen
- Regulation im Alltag aufzubauen
- klare, haltgebende Strukturen zu entwickeln
- Eskalationen zu reduzieren
- Eltern zu stabilisieren
- Geschwister im Blick zu behalten
Ein reguliertes Elternteil ist der wichtigste Schutzfaktor für ein überlastetes Kind.
ADHS neu denken
Nicht als Defizit.
Nicht als moralisches Problem.
Nicht als Erziehungsfehler.
Sondern als besondere Form von Nervensystem, Bindungsdynamik und Umweltanforderung.
Mit dem richtigen Verständnis entstehen neue Handlungsspielräume.
Wenn du merkst, dass ADHS euren Familienalltag belastet, kannst du ein Erstgespräch vereinbaren.